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Ägypten 2006

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Übersicht

Bild des Tages

14.10.2006

Strecke:Kairo (القاهرة) - Fürth (Taxi, Flugzeug, Fahrrad)
Distanz:ca. 15 km
Schnitt:--,- km/h
Höhenmeter:----
Fahrtzeit:--:--:--


Bericht für den 09.10.-14.10.

Unseren ersten Tag in Kairo verbringen wir damit, uns das islamische Viertel anzusehen. Das ist ein Basarviertel mit sehr vielen alten Moscheen und bekannt als eine der Sachen, die man in Kairo gesehen haben sollte. Wir sind um neun Uhr dort und es herrscht absolut tote Hose. Verdammter Ramadan. Also schlendern wir so ein wenig durch die Straßen. Es ist das heruntergekommenste Basarviertel, dass ich bis jetzt gesehen habe. Auf der Straße fehlt nicht nur die Asphaltdecke, sondern teilweise auch noch die unter der Asphaltdecke liegenden ersten 50cm, so dass man zu den Läden ersteinmal einmal hinaufsteigen muss. Einige Ladeninhaber haben sich aus ein paar Betonblöcken behelfsmäßige Treppen gebastelt, ein paar andere Läden sind einfach nur mit ein bisschen Klettern zu erreichen. An anderen Stellen hat man den Eindruck, dass die Hoffnung gepflegt wird, der Müll trete sich fest und sorge so mit der Zeit für ein Anheben des Straßenniveaus. So richtig Shoppingstimmung kommt nicht auf, aber nachdem eh noch alles zu ist, suchen wir uns erst einmal etwas zu essen und besichtigen ein paar Moscheen und drei alte Wohnhäuser, die vor ein paar Jahren erst renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Gegen Nachmittag sind die Straßen dann schon deutlich belebter. Das ganze Viertel wirkt plötzlich wesentlich einladender, weil man durch die ganzen Menschenmassen nichts mehr von dessen Zustand sieht. Dafür sind die Läden alle geöffnet und es herrscht ein Überfluss an kleinen Pyramiden, Sphinxen, Wasserpfeifen, Tüchern, und was sonst noch alles von Touristen gekauft werden kann. Ununterbrochen werden wir von Verkäufern angesprochen, ob wir uns nicht wenigstens ihre Sachen anschauen wollen. "looking is for free", diesen Satz hören wir hunderte Male. Und ein "Nein" reicht nicht, sie drängen trotzdem weiter. Ich komme mir immer so unhöflich dabei vor, wenn ich nicht mal gucken will, also bin ich nach einer Weile gleich von Anfang an unhöflich und ignoriere, dass ich angesprochen werde. Diese Aufdringlichkeit ist schade, denn selbst wenn wir gerne mal irgendwo näher schauen würden, lassen wir es oft sein, weil sofort wieder der Verkäufer da ist und einen nicht eher gehen lässt, bis man sich den gesamten Laden angeschaut hat. Nach etwas ziellosem Stöbern entdecke ich ein kleines Tischchen. Es besteht eigentlich nur aus einer großen, golden glänzenden Metallplatte, in die Muster im Stile arabischer Kalligraphie eingearbeitet sind. Getragen wird die Platte von einem fein gedrechselten Sechsbein aus sehr dunklem Holz. Genau so einen Tisch habe ich schon in einem Wasserpfeifencafe in Erlangen gesehen und wollte ihn schon damals für mein Zimmer. Ich muss mal sehen, ob ich ihn günstig nach Hause bringen kann, dann werde ich ihn mir kaufen. Nachdem wir die Hauptstraßen verlassen und uns in den verwinkelten engen Nebengassen verlieren ist es auch mit dem Touristenkram vorbei und wir können uns ganz ungestört von der Menge mitreißen lassen und das geschäftige Treiben um uns herum genießen.

So neigt sich der Tag langsam dem Ende zu und wir kehren ins Hotel zurück. Auf dem Heimweg kaufen wir uns noch eine riesige Torte, halb Schokotorte, halb Früchte. Einfach nur so. Weil sie schon seit der Türkei so lecker aussehen und so günstig sind. Je später es wird, desto mehr wird klar, dass der Balkon auf die Straße hinaus vielleicht doch keine so gute Idee war. Um Mitternacht ist immernoch Stau bei uns vor dem Hotel, sowohl auf der Straße als auch auf dem Fußweg! Je länger die Leute wach sind, desto länger schlafen sie morgens und desto kürzer müssen sie darauf warten, essen zu dürfen. Damit wird doch die ganze Idee des Ramadan untergraben... So gegen zwei schlafe ich dann trotz der Hupen und des Geschreis von draußen ein. Mich würde allerdings interessieren, ob es tatsächlich nur am Ramadan liegt, oder ob hier nachts immer so viel los ist.

Bedingt durch unsere späte Nachtruhe und unsere gestrige Erfahrung machen wir uns heute erst sehr viel später auf den Weg zum Basar. Ich denke, wir haben ausreichend wenig dabei, um den Tisch noch mit dem regulären Gepäck ins Flugzeug zu stecken, also werde ich mir einen kaufen. Schon kurz nachdem wir den Basar betreten haben, werden wir von einem Ägypter angesprochen, was wir den suchen, Papyrus, Parfüm, Gewürze, Tücher,... Ich erwähne einen Tisch, und natürlich kann er auch damit dienen. Er führt uns weg von dem Gedränge, durch heruntergekomme und fast menschenleere (oder zumindest für Kairoer Verhältnisse menschenleere) Hinterstraßen, erwähnt immer wieder, dass wir in zwei Minuten da seien. Irgendwann sind wir dann auch tatsächlich angekommen. Direkt bei einer Fabrik, die diese Metallplatten fertigt. Und obwohl sie gerade nur drei Exemplare auf Lager haben ist ein sehr schönes dabei. Wir können sogar noch beim letzten Fertigungsschritt, dem Polieren, zusehen, bevor wir ihn dann mitnehmen. Anschließend lädt uns unser "Führer" noch auf einen Tee ein, wie sich herausstellt in seinem Parfümgeschäft. Also lassen wir auch noch eine Duftprobe über uns ergehen.

Später am Nachmittag versuchen wir, Fahrradkartons für den Rücktransport unserer Fahrräder zu finden. Wir lassen uns vom Portier beschreiben, wo wir eine Ecke mit Fahrradläden finden und machen uns auf den Weg. Am Ziel angekommen sehen wir nur zwei Läden, die Kinderfahrräder und sonstiges Spielzeug verkaufen, also suchen wir noch die Straßen drumherum ab. Dabei geraten wir in eine Gasse mit Jeansläden. Claudia ist in dem Gedränge etwas schneller als ich, da ich meistens noch höflich ablehne, während Claudia sämtliche Angebote, Jeans zu kaufen ignoriert. Wie auch sonst hier in Kairo sehr viel werde ich auf meine Dreads angesprochen ("Are you Bob Marley?" "Do you like Raggae Music?" "Are you from Holland?" sind so die Standardsätze). Plötzlich bleibt es nicht mehr nur beim Aufdringlich belabern, sondern es packt mich jemand an meinem rechten Arm und will mich in seinen Laden zerren. Das kann sich der vom Laden gegenüber natürlich nicht gefallen lassen, dass ihm so einfach die Kunden geklaut werden, also ergreift er meinen linken Arm und zieht mich in die andere Richtung. Drei weitere reden aufgeregt auf mich ein, Claudia habe ich inzwischen auch komplett aus den Augen verloren. Ich ziehe nach vorne, aber sobald ich einen Arm befreien kann, ergreift ihn auch schon jemand anders, in der Hoffnung, mich in seinen Laden bewegen zu können. Gleichzeitig fragen die Leute, die auf mich einreden irgendetwas auf arabisch. Am Tonfall und an ihren Mienen ist zu erkennen, dass es sich um eine Frage handelt und dass sie auch eine Antwort erwarten. Mehrere verschiedene Wiederholen die Frage, ein anderer schreit mir wieder "Are you Bob Marley?" entgegen, während ich immer noch nicht weiter vorwärts kann. Ich will nur noch hier raus. Versuche, alle um mich herum zu ignorieren und meine Arme zu befreien und bei mir zu behalten und nach endlosen Sekunden schaffe ich es auch endlich und entkomme zur nächsten Kreuzung, wo Claudia schon auf mich wartet.

Mit den Fahrradkartons haben wir keinen Erfolg mehr. Abends wollen wir noch ins Kino, in der Hoffnung, dass ein paar amerikanische Filme laufen, die nur arabisch untertitelt sind. Leider ist das nicht der Fall, es werden ausnahmslos arabische Produktionen gezeigt. Vielleicht sind westliche Filme einfach zu unmoralisch und deswegen nicht öffentlich, sondern nur über Satellitenschüssel zu sehen...

Den Mittwoch haben wir fürs Ägyptische Museum eingeplant, besonders ich bin der Meinung, dass ich dort den ganzen Tag verbringen werde. Leider habe ich die Rechnung mal wieder ohne den Ramadan gemacht. Am Eingang informiert uns ein Schild, dass während des Fastenmonats das Museum schon um halb drei schließt, statt wie üblich um sieben. Also haben wir sowieso nur noch vier Stunden. Das Museum ist ein altes Gebäude mit riesigen hohen Räumen. Schon vom Eingang aus ist eine imposante Sammlung an Statuen und Sarkophagen zu sehen. Wir leisten uns einen Audioguide. Leider sind die Kopfhörer so gemacht, dass man auf keinen Fall zu zweit gleichzeitig hören kann. Da aber auch fast keine Ausstellungsstücke mit einer Kennnummer für den Audioguide versehen sind, ist es auch wiederum nicht so schlimm. Leider ist auch die sonstige Beschriftung sehr dürftig. So schieben wir uns mit tausenden anderen Touristen durch die Hallen mit den berühmten Funden, wie z.B. den Grabschätzen des Tut-ench-amun, während wir andere Bereiche komplett für uns haben. So wandern wir zwischen Amphoren und Sarkophagen, Papyrusbooten und Scherben, altem Spielzeug und Waffen hin und her, ohne so recht zu wissen, was wir da überhaupt sehen. Claudia habe ich auch recht schnell verloren und mein Magen meldet sich. Ich hatte schon seit wir in Kairo angekommmen sind wieder leichte Magenverstimmungen, aber jetzt wird es sehr unangenehm, und so verlasse ich das Museum schon nach zwei Stunden wieder, nicht in dem Gefühl, sonderlich bereichert zu sein, um auf der Wiese draußen auf Claudia zu warten. Kurz vor Schließung des Museums findet sie mich. Sie hatte es etwa gleichzeitig mit mir verlassen und auf einer anderen Wiese gelegen...

Nachdem sich dieser Tagesordnungspunkt also schneller als gedacht erledigt hat, schmieden wir spontan neue Pläne. Weitere Erkundungen zu Fuß, erst zum Nil und von dort zum Kairo Tower auf einer Insel im Nil. Der Nil fließt gleich hinter dem Ägyptischen Museum vorbei, so dass der Weg nicht allzu weit ist. Ich bin etwas enttäuscht. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte. Ich verbinde mit dem Nil so etwas wie die Mutter aller Flüsse, die Wiege der Zivilisation. Etwas sagenumwoben-mythisches, geschichtsträchtiges. Und jetzt ist es ein Fluss wie jeder andere auch. Eingezwängt von den Hochhäusern an seinen Ufern wälzt er sich gemächlich in seinem Betonbett durch die Stadt und ist noch nicht einmal besonders groß. Die Donau an der Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien war wesentlich größer. Die Brücken sind so niedrig, dass sich Schifffahrt auf kleine Ausflugsschiffe und Motorboote beschränkt.

Wir überqueren eine dieser Brücken, um zum Kairo Tower zu kommen. Für einen Blick über die Stadt wollen sie dort 10 Euro pro Person, das ist uns dann doch zu teuer, die Parks rund herum kosten auch alle Eintritt oder sind komplett geschlossen und so laufen wir den inzwischen langen Weg zum Hotel zurück.

Donnerstag, Morgen Abend geht unser Flug. Es gibt drei Dinge hier in Kairo, die man meiner Meinung nach gesehen haben muss: erstens das Ägyptische Museum, zweitens der Nil und last and most importantly die Pyramiden. Das, was ich schon in Deutschland lange vor der Abfahrt als Ziel meiner Reise festgelegt hatte, noch bevor überhaupt klar war, über welche Route ich Ägypten erreichen werde. Wir haben sie uns lange genug aufgehoben, heute gehen wir sie besuchen.

So, hier an dieser Stelle hat grade ein Stromausfall bei uns in der Wohnung die Arbeit von einer dreiviertel Stunde zerstört, also nochmal...

Natürlich fahren wir mit dem Fahrrad zu den Pyramiden, schließlich wollen wir noch Zielfotos machen. Aus Bequemlichkeit verzichten wir allerdings darauf, unser Gepäck mitzuschleppen. Leider, wie sich später zeigt, denn unsere Fahrräder sind auf den Fotos kaum wieder zu erkennen.

An unserem vierten Tag in Kairo habe ich den Verkehr hier glaube ich verstanden. Erstens: Jeder nutzt so schnell wie möglich jede kleinste Lücke (was dem Verkehrsfluss insgesamt nicht gerade förderlich ist). Zweitens: Wenn Dich jemand anhupt, bist wahrscheinlich gar nicht Du gemeint, und falls doch heißt es trotzdem noch lange nicht, dass Du im Weg bist. Drittens: Es wird Rücksicht genommen auch auf Radfahrer (Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Eselskarren, etc.) So etwas wie Fahrspuren gibt es nicht, die Autos stehen und fahren kreuz und quer. So ist es für mich wie ein Spiel, immer Ausschau zu halten, wo sich die nächste Lücke öffnet, ob sich der Weg dahinter nicht gleich anschließend wieder verschließt, Alternativen suchen und gegeneinander abwägen, möglichst schnell, gleichzeitig einzuschätzen, ob ein Bus demnächst anhält, ob ich dann rechts an ihm vorbei kann oder ob zu viele Leute zusteigen, immer in dem Bestreben, möglichst nicht zu bremsen und Schwung zu behalten. So schlängle ich mich hochkonzentriert, fast wie in Trance, durch den Verkehr. In dieser Abwesenheit von Regeln, mit dieser positiven Anspannung und einer ausgeglichenen Mischung aus Aggressivität und Rücksicht macht das Fahrrad fahren in Verkehr Spaß. Fast. Wäre da nicht die dauernde Abgas- und Dieselrußwolke, die beständig und immer stärker in Hals und Lunge beißt.

Schon bald tauchen die Pyramiden hinter den Häusern am Straßenrand auf. Ich hätte nicht gedacht, dass sie sich so nah am Stadtzentrum befinden, aber das Plateau von Giseh, auf dem sie erbaut sind, ist nur ca. 15 km von unserem Hotel entfernt. Sie wirken viel kleiner als sie tatsächlich sind. Ich hatte wuchtige Bauten erwartet, schließlich sind es nach der Großen Mauer die zweitmassivsten Bauwerke der Menschheit. Aber sie wirken zwar imposant, aber nicht mächtig, sondern eher elegant. Ich glaube, es liegt daran, dass mein Gehirn instinktiv erwartet, dass die Steineblöcke ihrer Mauern, so wie in alltäglichen Mauern, in etwa die Größe von Ziegelsteinen haben. Und tatsächlich scheinen sie mir auch so klein zu sein, bis ich Menschen daneben sehe, die kaum größer sind.

Natürlich machen erstmal von allen Seiten Fotos, mit Fahrrad, ohne Fahrrad, mit uns, ohne uns. Als wir gerade dabei sind, die erste Pyramide und die umliegenden Gräber näher zu erkunden, werden wir vom Gelände geschickt. Die Pyramiden schließen während des Ramadan um halb drei! Die Pyramiden!!! Und es hing nicht einmal ein Hinweisschild am Eingang! Und wir haben noch nicht einmal die Sphinx gesehen! Wir müssen morgen auf jeden Fall wiederkommen.

Gesagt, getan, heute allerdings mit dem Bus, da wir unsere Fahrräder nicht wieder aus dem sechsten Stockwerk hinunterbefördern und unsere Lungen schonen wollten. Im Bus werden wir kurz vor den Pyramiden angesprochen, ob wir den ebenjene besichtigen wollen und informiert, dass sie geschlossen haben, da Freitag im Ramadan ist. Wir sind von vornherein misstrauisch, da in unserem Reiseführer vor genau der Masche gewarnt wird. Vor allem, da wir mit ihren Kameltouren natürlich trotzdem hineinkommen. Aber ich kann so schlecht nein sagen, und deswegen lassen wir uns zumindest in ihr Büro führen.

Als wir wieder herauskommen, haben wir einen Kameltrip gebucht. Allerdings zu unserem Preis. Wir zahlen 70 Pfund (ca. 10 Euro). Für den Eintritt allein hätten wir schon 40 Pfund gezahlt und wir wollten sowieso noch Kamele reiten, von daher sind wir damit zufrieden. Wir werden zweieinhalb Stunden lang auf dem Pyramidengelände herumgeführt, dass natürlich auch für Touristen offen ist, die keinen Kameltrip gebucht haben. Und wir bekommen auch die Sphinx zu sehen, allerdings nur von der Seite, da wir sonst nochmals extra Eintritt zahlen müssten, und dafür reicht unser Geld nicht mehr. Die nicht vorhandene Nase ist sowieso am besten im Profil zu bewundern.

Für den Rest des Tages hat jeder von uns noch sechs Pfund für Essen und Trinken. Ich gebe vier davon fürs Internetcafe aus, um das letzte Lebenszeichen abzusetzen, so dass ich den nachmittag mit einem knurrenden Magen lesend in der Hotellobby verbringe.

Gegen Mitternacht holt uns ein Taxi ab und bringt uns zum Flughafen. Der Flughafen ist für die ägyptische Hauptstadt überraschend klein, er scheint kaum größer als der Nürnberger zu sein. Ich bin froh, das wir erst nach Mitternacht und somit am Samstag den 14. fliegen. Ich bin zwar eigentlich nicht abergläubisch, aber ich hasse fliegen. Das ist immer der Teil meiner Reisen, der mir am meisten Sorgen bereitet, obwohl ich weiß, dass ich in der Luft wahrscheinlich viele Male sicherer bin als im Straßenverkehr. Aber die Angst kann ich trotzdem nicht abstellen und bei so einer irrationalen Angst spielen auch irrationale Argumente eine Rolle.

Natürlich geht alles gut und um sechs Uhr morgens beginnen wir auf dem Münchner Flughafen damit, unsere Fahrräder zu montieren. Eine Stunde später trennen wir uns. Es ist eine komische, ungewohnte Situation, nachdem wir fast drei Monate wie selbstverständlich zusammen gelebt haben. Wir kennen uns inzwischen so gut, aber haben uns noch nie voneinander verabschiedet. Ich weiß nicht so recht wie ich mich verhalten soll. Ein Handschlag erscheint mir genauso unangebracht Claudia gegenüber wie eine Umarmung. Claudia scheint es ähnlich zu gehen. Also belassen wir es bei einem gegenseitigen: "Tschüß, komm gut nach Hause." Dann verlassen wir den Flughafen in entgegengesetzter Richtung.


Ende

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